
Die guten Jahre
Ines schreibt in diesem Blogbeitrag über feinfühlige Neurologen und tausend Dinge ihrer Löffelliste.
Da steht man nun. Das Leben neu ausgerichtet. Neuer Partner, neue Liebe. Kinder groß und auf eigenen Beinen. Alte Hobbys neu entdeckt und neue Hobbys etabliert. Die Karriere angeschoben und endlich, endlich genug Geld in der Tasche, um es sich richtig gut gehen zu lassen.
Aber das Leben spielt anders. Peng…..Parkinson.
Den Zeitraum der Diagnosestellung kann ich absolut nicht mehr rekonstruieren. Viele Termine, viele Tests, viele Fachexperten und das ganze über 1,5 Jahre. Im Nachhinein würde ich sagen, dass alles wie im Film ablief. Wie im Film mit mir als Nebendarstellerin, nicht fähig zu denken, mich zu sortieren und zu fokussieren. Das Einzige, was sich in mein dopaminarmes Hirn einbrannte, war die Aussage eines Neurologen: „Ihnen bleiben noch 10 gute Jahre.“
10 Jahre!!!…. „Nur 10 Jahre?“ Oder „Immerhin noch 10 Jahre“. Ratlosigkeit, Zweifel, Trauer, Wut, Angst….
Der Prozess der Krankheitsverarbeitung lief dann so nebenher und dauerte zwei Jahre. Eine Zeit, in der ich wie von Sinnen arbeitete, Sport trieb, recherchierte, verzichtete, ausprobierte, heulte und fast
durchdrehte.
Zack noch 8 Jahre!!!
Zu diesem Zeitpunkt unternahmen wir eine tolle Reise mit dem Metaltrain. Wir fuhren also mit Freunden, bei rockiger Musik und guter Stimmung in einem Partyzug, als mich meine Freundin Conny fragte, ob ich meine Löffelliste schon gemacht habe. Löffelliste??? „Na die Liste, die man noch abarbeiten möchte, bevor man den Löffel abgibt?“
Liebe Freunde, liebe Parkinsonerkrankte,
das war der Weckruf. Es gibt noch 1000 Dinge, die ich machen möchte, 999, die ich machen kann und diese 10, die ich definitiv machen werde oder schon gemacht habe.
– Ein Eishockeyspiel live sehen – check
– Crowdsurfen – check
– Fallschirmsprung
– Tattoo
– 50 km Marsch
– Mehrtagesfahrradtour den Leineweg entlang
– Schnorcheln lernen
– All inclusive Hotelurlaub
– Fußballländerspiel
– Noch einmal mit der Full Metal Cruise reisen
Das schöne ist, ich kann diese Träume langsam angehen, kann mir Zeit lassen, mein Tempo suchen und finden, gute Tage erkennen und endlich, endlich wieder genießen und Spaß haben. Wir gehen wieder auf Konzerte, besuchen Festivals, treffen Familie und Freunde und freuen uns einfach an der schönen Zeit…
Noch 7 Jahre!!!???
Wer nimmt sich eigentlich heraus zu bestimmen, was für mich „gute Jahre“ bedeuten.
Metallische Grüße.
Bleibt mutig
Ines, 52; Diagnose mit 49 Jahre.

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