
Parallelwelten
Heute wird es etwas düster. Innuendods schreibt darüber, was man sieht und was man nicht sieht.
Was man sieht, und was man nicht sieht.
Es gibt da diese Tage, die sind, wie sie sind. Da kann man auch nicht drum herum reden, aber da kommt man wieder raus, ich komme da wieder raus, aber manchmal sind die Tage eben so …
…und da passt man einmal nicht richtig auf und schon haut man mit der Schulter gegen den Türrahmen.
Man eckt an.
Da passt man einmal nicht richtig auf und schon stolpert man über die eigenen Füße.
Man ist sich selbst im Weg.
Da passt man einmal nicht auf und man döst einfach so mitten im Gespräch weg.
Man schläft zu wenig, sagt man sich.
Da geht man einmal zehn Minuten später als sonst ins Bett und alles ist durcheinander. Der Schlaf ist schlecht, die Träume wirken wie echt.
Man ist selbst schuld, was geht man denn auch so spät ins Bett.
Da macht man am Wochenende mal etwas Schönes und packt dann den Alltag nicht mehr.
Man hätte sich mal mehr zusammenreißen sollen, bisschen kürzertreten.
Die Gedanken kreisen, sind im Widerstand. Man sucht den Schuldigen in sich selbst, man kann nicht akzeptieren, dass einfach passiert, was eben passiert.
Ich gehe spazieren, komme an einem Spielplatz vorbei.
„Bist du behindert?“, fragt das eine Kind das andere Kind, als es auf dem Spielplatz an der Rutsche drängelt.
Bin ich, denke ich, doch bin ich nicht das Kind, und das Kind ist nicht behindert.
„Bin ich“, sage ich zum Kind und es starrt mich an. Sekunden, doch gefühlt minutenlang.
„Das war doch nur so ein Spruch“, sagt es dann und ich erwidere, dass manchmal Dinge wahr sind, die man so sagt und sie schmerzen können.
Das Kind dreht sich um und geht weg. Ich laufe durch den Park, es ist früh morgens. Das Gehen geht gut, hurra, L-Dopa.
Ich mache Dinge, die andere auch machen, normal, gehe laufen, ohne Hund, gehe Radfahren, ohne Hund, gehe auf Konzerte. Und dennoch fühlt es sich seltsam an, man ist doch krank, wie kann man denn dann laufen? Man ist doch krank, wie kann man denn dann Radfahren? Man ist doch krank, wie kann man weniger arbeiten, aber dennoch aktiv sein, viele Dinge tun, die nichts mit Arbeit zu tun haben? Man denkt sich, dass so etwas andere denken und vielleicht stimmt es ja auch, vielleicht denken andere so. Und natürlich kann man sagen, dass es einem doch egal sein sollte, was andere denken, aber so einfach, wie man es sagt, ist es nicht.
Auf der Arbeit ist man gebunden an die Strukturen, die gegeben sind. Zu Dienstbeginn beginnt der Dienst, wenn jemand etwas will, dann ist man bereit, man hat bereit zu sein, immer, von morgens bis zum Ende.
Man kämpft sich durch, auch wenn man schlecht geschlafen hat, manchmal verliert man den Kampf.
Am Wochenende ein Gig mit der Band, vorher lange schlafen, genau takten, wie man es mit dem Essen macht, 90 Minuten vor den Medis nichts essen, 30 Minuten danach nicht, doch das Konzert beginnt genau dazwischen. Auf der Bühne vibriert der Alarm der Uhr, muss jetzt warten, verschiebe die Einnahme, vergesse die Einnahme, realisiere es, als das Adrenalin nachlässt, stolper, stapfe und verkrampfe. So hätte es laufen können, doch diesen Auftritt sagte ich ab, auch das Fußballspiel mit Freunden und das Eis essen in der Stadt, zu viel Eiweiß, zu nah an den Tabletten.
Man sieht nach außen nicht das, was man nicht schafft oder schaffte, man sieht nicht den Schlaf am Vormittag, wenn man sich an Wochenenden mit Menschen treffen will, die Woche von davor liegt schwer in den Schultern, man sieht außen nur das, was man macht, aber nicht das drum herum, damit man das schafft.

Schreiben Sie einen Kommentar